Wege zur Steinernen Renne (Teil 1)

Wo das Wasser bergan fließt

Ein Ausflug zur „Steinernen Renne“ lohnt sich zu jeder Jahreszeit. Dieses wohl berühmteste Gebiet der näheren Umgebung von Wernigerode hat die Menschen schon immer angezogen. Die enge Talschlucht und die im Höllenwinkel zwischen Renneckenberg und Hohne entspringende Holtemme, die sich hier in starkem Gefälle über eine Unmenge Granitblöcke ergießt und in diesem Abschnitt „Steinerne Renne“ heißt, spricht mit ihrer wilden Romantik die Sinne besonders an.

Erfreulicherweise trifft man immer häufiger auch junge Leute, die den Häuserschluchten entfliehen und die Wildeinsamkeit in ihrer ganzen Schönheit genießen. Für viele ist es auch eine sportliche Herausforderung, über steile, steinige Pfade das Gebirge zu erkunden.

Wer von Wernigerode wegfährt und nicht auf der „Steinernen Renne“ war, der hat etwas versäumt, zumal man in der Restauration gleichen Namens für seine Mühen belohnt und gastfreundlich bedient wird – übrigens ohne Schließzeit das ganze Jahr hindurch!

Eigenartigerweise sind es heute hauptsächlich Touristen, die zur Steinernen Renne aufsteigen. In früheren Zeiten war es für die Wernigeröder gang und gäbe, sonntags zum Kaffeetrinken zur „Renne“ zu wandern. Heute wird oft nach einer Anfahrtsmöglichkeit mit dem Pkw gefragt. Die gibt es leider (noch) nicht. Das sollte uns Einheimische aber nicht davon abhalten, mal wieder hier oben einzukehren.

Der traditionelle Aufstieg vom oberen Hasserode

Viele interessante Wege führen zur „Steinernen Renne“. Da ist zunächst der traditionelle Aufstieg an der linken Seite des Baches. Ausgangspunkt ist das obere Hasserode. Am Floßplatz und am Bahnhofsvorplatz von Hasserode findet man die ersten Harzklubschilder, die dem Wanderer die Richtung Steinerne Renne/Brocken anzeigen. Die Markierungen, das schwarzumrandete weiße Dreieck mit rotem Punkt und die Numerierung 11E/11D, kennzeichnen den Hauptwanderweg des Harzklubs, der von Wernigerode über die Steinerne Renne zum Brocken und von dort weiter nach Seesen führt.

Erste Zwischenstation ist das 1899 erbaute Wasserkraftwerk am Bahnhof „Steinerne Renne“, ein wertvolles, aufwendig saniertes technisches Denkmal. In einem Kanal fließt das Wasser des Baches durch den Wald zum Kraftwerk. Hier stürzt es aus 160 Metern Höhe herunter, und zwei Turbinen, von denen eine noch aus der Erbauungszeit stammt, erzeugen jährlich eine Million Kilowattstunden Strom. Früher, als der Kanal noch offen und der Wasserfluß sichtbar war, hatte man den Eindruck, das Wasser fließe hier bergauf, und so mancher Sommerfrischler wurde von Einheimischen genarrt, indem ihm erklärt wurde, dies sei der einzige Ort in Deutschland, wo das Wasser bergauf fließe.

Man folgt dem Weg weiter, am Quarzfelsen „Silberner Mann“ vorbei, bis zu einer Brücke, wo sich der Weg teilt. Wenn wir gut zu Fuß sind, halten wir uns links, gehen am Gedenkstein des Harzklubgründers Huch vorbei, und erreichen nach etwa 2, 8 km, steil und steinig bergauf, über die obere Brücke das Gasthaus „Steinerne Renne“.

Über die „Kleine Renne“

Ein weiterer, sehr schöner, aber ebenfalls anspruchsvoller Wanderweg führt über die „Kleine Renne“. Man geht, wie oben beschrieben, bis zur Stelle, wo sich der Weg teilt. Wir gehen rechts über die Betonbrücke und folgen dem Weg bis zur „Kleinen Renne“ die von rechts sprudelnd aus dem Gebirge kommt. Hier steigen wir etwa 500 Meter über steile Serpentinen und behauene Granitstufen nach oben. Links ergießt sich der Bach über kleine Wasserfälle in teilweise 20 Meter tiefen Taleinschnitten in die große „Steinerne Renne“. Er bewältigt auf diesem Wege einen Höhenunterschied von 125 Metern. Wer es etwas bequemer mag, der kann mehrere andere Möglichkeiten nutzen, um zur „Steinernen Renne“ zu gelangen.

Herbert Riemeier